Über Nachhaltigkeit, nachhaltige Entwicklung und die Agenda 21

Der Begriff „Nachhaltigkeit“ kommt ursprünglich aus der Forstwirtschaft. Er besagt, dass der Verbrauch von Gütern (Abholzung von Bäumen) nicht größer als deren Regenerationsrate (Nachwachsen der Bäume) sein darf, der Bestand muss bewahrt werden.

Es darf nur so viel gefällt werden, wie auch nachwächst.

Nachhaltigkeit

Nachhaltige Entwicklung

Der Begriff Nachhaltigkeit kann auch auf andere Bereiche übertragen werden, man spricht dann von „nachhaltiger Entwicklung“. Das bedeutet:

Eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre Bedürfnisse nicht mehr befriedigen können.

Nachhaltige Entwicklung

Im Zentrum der Bemühung um mehr Nachhaltigkeit steht also immer der Mensch mit seinen Bedürfnissen.

Die drei Aspekte nachhaltiger Entwicklung

Nachhaltige Entwicklung ist immer ein Prozess, kein statischer Zustand. Dieser Prozess wird heute und auch in allen künftigen Generationen immer neu zu diskutieren, zu gestalten und auf die konkreten Bedürfnisse und Bedingungen anzupassen sein. Nachhaltige Entwicklung beachtet dabei immer sowohl die ökologische-, die ökonomische- und die soziale Entwicklung. Gemeinsam bilden diese drei Ebenen unsere Lebensgrundlage, sie sind die drei Säulen auf denen sich eine langfristig tragfähige Gesellschaft stützt, fällt eine Säule weg wird die Entwicklung instabil.

1) Die soziale Entwicklung

Die soziale Säule sichert den sozialen Zusammenhalt, betrifft wichtige Grundbedürfnisse wie Bildung, Wohnen, soziale Beziehungen, Gesundheit und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und spiegelt darüber hinaus die Forderung nach Gerechtigkeit wider. Es sollen gleiche Chancen sowohl für die Menschen in unterschiedlichen Regionen zu einem bestimmten Zeitpunkt, als auch für die Menschen unterschiedlicher Generationen bestehen.

2) Die ökologische Entwicklung

Die ökologische Säule steht für den Erhalt der Umwelt und erkennt diese als Basis für die Befriedigung der sozialen und ökonomischen Bedürfnisse der Menschen an. Die Tragfähigkeit der Umwelt ist also eine wichtige Grundvoraussetzung für beide anderen Säulen. Ein „entweder Umwelt oder Ökonomie“ oder ein Gegeneinander beider Bereiche ist zum Scheitern verurteilt. Die ökologische Säule berücksichtigt alle Umweltbereiche wie Boden-, Wasser- und Luftqualität, das lokale und globale Klima und die Artenvielfalt gleichermaßen.

Mit Blick auf die Umwelt bedeutet das Prinzip der nachhaltigen Entwicklung, dass von allen Umweltgütern nicht mehr verbraucht wird als auch wieder erneuert wird.

3) Die ökonomische Entwicklung

Die ökonomische Säule spiegelt das Streben der Menschen nach Wohlstand und ihren Wunsch, die eigenen Bedürfnisse möglichst gut über Waren und Dienstleistungen abdecken zu können. Dabei ist nicht nur zu beachten, ob und wie gut diese Bedürfnisse befriedigt werden, sondern auch welcher Aufwand dafür getrieben werden muss, also wie effizient die Herstellung und Verteilung von Gütern erfolgt und wie mit knappen Ressourcen umgegangen wird. Im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung sind also auch hier die Regeneration von Ressourcen und technische Weiterentwicklungen anzuerkennen.

Agenda 21: Das Aktionsprogramm für eine nachhaltige Entwicklung

In Rio de Janeiro auf der „Konferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen“ (UNCED) wurde 1992 von 180 Staaten die so genannte Agenda 21, das Aktionsprogramm für eine nachhaltige Entwicklung (engl.: sustainable development) beschlossen. Der hier gewählte Begriff „sustainable development“ trifft den Kern des Anliegens besser als der deutsche Begriff „nachhaltige Entwicklung“. Sustainable heißt nämlich „tragfähig“ bzw. „zukunftsfähig“. Nachhaltig ist eine Entwicklung dann, wenn sie ökologisch, ökonomisch und sozial dauerhaft tragfähig oder „zukunftsgerecht“ ist.

Nachhaltige Entwicklung kann natürlich nur dann funktionieren, wenn sie alle Bereiche unseres Lebens umfasst, also auch unsere Mobilität. Was bedeutet das für unsere Mobilität und für den Verkehr, wie sieht nachhaltige Mobilität aus?

Das Wort „agenda“ kommt aus dem Lateinischen. Es bedeutet „Dinge, die betrieben werden müssen“. Es verweist damit ganz direkt darauf, dass Nachhaltige Entwicklung ein fortwährender, nie abgeschlossener Prozess ist der, soll er Früchte tragen, immer weiter im Blick gehalten und betrieben werden muss.

Die Bedeutung des Wortes Agenda

Die Ziele der Agenda 21

Die Agenda 21 will einer Verschlechterung der weltweiten Lebensbedingungen entgegenwirken und schrittweise Verbesserungen erreichen. Die „nachhaltige Nutzung“ der natürlichen Lebensgrundlagen soll in allen Bereichen umgesetzt werden. Die Politik soll in alle Entscheidungsprozesse neben den ökonomischen auch die sozialen und ökologischen Aspekte einbeziehen.

  • Grundsatz 1: Die Menschen stehen im Mittelpunkt der Bemühungen um eine nachhaltige Entwicklung. Sie haben das Recht auf ein gesundes und produktives Leben im Einklang mit der Natur.
  • Grundsatz 3: Das Recht auf Entwicklung muss so verwirklicht werden, dass den Entwicklungs- und Umweltbedürfnissen der heutigen und der kommenden Generationen in gerechter Weise entsprochen wird.
  • Grundsatz 25: Frieden, Entwicklung und Umweltschutz bedingen einander und sind unteilbar.

Zur Umsetzung der Agenda 21

Das Aktionsprogramm gilt sowohl für Industrie- als auch für Entwicklungsländer. In vielen Politikbereichen wie beispielsweise der Klima-, Verkehrs- und Energiepolitik sind für eine nachhaltigere Entwicklung wichtige globale, nationale und lokale Entscheidungen zu treffen.

Die Menschen in den Industrieländern verbrauchen je Kopf wesentlich mehr Ressourcen als die Menschen in den sogenannten Entwicklungsländern. Viele Voraussetzungen dafür werden in den Bereichen der Verkehrs-, Energie-, Landwirtschafts- und Handelspolitik geschaffen und müssen verändert werden. In den Entwicklungsländern bezieht sich die Agenda 21 insbesondere auf Armutsbekämpfung, Bevölkerungspolitik, Bildung, Gesundheit, Trinkwasser- und Sanitärversorgung und soll darüber hinaus die finanzielle und technologische Zusammenarbeit der Industrie- und Entwicklungsländer fördern.

Die Agenda 21 ist ein Zielkatalog, keine Handlungsanleitung. Wie die Ziele erreicht werden, ist jedem Teilnehmer am Agenda-Prozess freigestellt.

Lokale Agenda 21

Die Gemeinden und Städte sollen mit ihren Bürgerinnen und Bürgern sowie den örtlichen Organisationen, Vereinen und der Privatwirtschaft in einen Dialog darüber treten, wie eine nachhaltige und zukunftsfähige Entwicklung im konkreten lokalen Kontext gestaltet werden kann. Aus diesem Dialog soll eine gemeinsame, lokale Agenda 21 entstehen (Motto: „Global denken, lokal handeln“).

Der Dialog um Nachhaltige Entwicklung ist in vollem Gange. Er wurde und wird inzwischen durch die nationalen Nachhaltigkeitsstrategien von 2002 und 2016 sowie durch eine Vielzahl lokaler Strategien in Städten und Gemeinden und durch tatsächliche Projekte konkretisiert.   

Von der Bundesregierung wurde 2001 der Rat für Nachhaltige Entwicklung (kurz Nachhaltigkeitsrat) eingerichtet. Ihm gehören 15 angesehene öffentlich Personen an. Er soll die Umsetzung der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie voranbringen, benennt z.B. konkrete Handlungsfelder, initiiert Projekte und hält die Ziele nachhaltiger Entwicklung im öffentlichen Bewusstsein.

Der Zukunftsrat Hamburg ist für die Lokale Agenda 21 in Hamburg zudständig. In der Hansestadt werden jährlich verschiedene lokale Agenda 21 Projekte umgesetzt.