Was ist Shared Space?

Shared Space (dt. gemeinschaftlicher Raum) geht von dem Verständnis aus, dass der städtische Raum viele gleichberechtigte Funktionen hat (Einkaufen, Aufenthalt, Bewegung usw.). Dieser gemeinschaftlich genutzte Raum funktioniert am besten für alle, wenn alle, die diesen Raum nutzen, aufmerksam und rücksichtsvoll miteinander umgehen.

Eine wichtige Voraussetzung für einen solchen aufmerksamen, rücksichtsvollen Umgang ist es, wenn Straßen, Gehwege und Plätze anders gestaltet sind, als wir es heute gewohnt sind. Der Platz müsste für alle Nutzer gleichermaßen gemacht sein – und nicht vor allem für Autofahrer, die sich mit Tempo 50 oder schneller bewegen wollen.

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Shared space designs, explained with 99% Invisible – Vox via YouTube

Wie kann ein Shared Space entstehen?

Auffälligstes Merkmal der Umsetzung von Shared Space ist, nach Möglichkeit sämtliche Verkehrsschilder, Ampeln und Straßenmarkierungen abzubauen. Abgrenzungen für Fuß- und Radwege werden entfernt, so dass es nur noch eine gleichberechtigte Verkehrsebene gibt. Ziel ist es, den zur Verfügung stehenden Raum gemeinsam und gemeinschaftlich zu nutzen. Besonders Autofahrern soll bewusst werden, dass sie Teil eines sozialen und kulturellen Gefüges sind, dem sie ihr Fahrverhalten anpassen müssen.

An die Stelle der Verkehrsschilder, Ampeln, Fahrbahnmarkierungen und starren Regeln treten dadurch soziale Regeln, die wieder mehr bewusste Aufmerksamkeit, langsameres Fahren, Blickkontakte zu querenden Fußgängern und Radfahrern erfordern und auch ermöglichen. Vorschriften und Verbote zur Regelung des Verkehrs werden soweit wie möglich entfernt.

Shared Space wird meist in belebten Geschäftsstraßen und auf Plätzen, deren Aufenthaltsqualität durch eine individuelle Gestaltung verbessert werden soll, eingeführt. Eine wichtige Voraussetzung ist dabei, dass die Autoflut nicht zu dicht ist und genügend Fußgänger und Radfahrer unterwegs sind um wahrgenommen zu werden.

Es gibt zahlreiche Beispiele für erfolgreich eingeführten Shared Space: zum Beispiel in der Schweiz, in Belgien, in Frankreich aber auch in Deutschland. Dabei geht es nicht nur um Aufenthaltsqualität. Es geht auch um eine höhere Verkehrssicherheit und eine gute Abwicklung des Verkehrs. Damit Shared Space zu einem Erfolg werden kann, ist es wichtig, dass der Raum so gestaltet wird, dass er intuitiv sicheres Verhalten bei allen Nutzern/ Verkehrsteilnehmern fördert. Wichtig ist es dabei auch, den Anforderungen stark Sehbehinderter und Blinder möglichst gut gerecht zu werden.

Die Vorteile einer Shared-Space-Nutzung

Das Konzept eines gemeinsamen Raums der Begegnung und des Miteinanders im Verkehr ist für uns ungewohnt, denn es widerspricht allem wie Straße, Fuß- und Radwege in den vergangenen 100 Jahren geplant und gebaut wurden. Bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein war eine Trennung zwischen Fußgängern, Kutschen, Pferden und den ersten Automobilen nicht üblich. Möglich war und ist das, solange sich alle mit ähnlichen Geschwindigkeiten bewegen: also bis etwa Tempo 20. Wenn dann noch §1 der StVO – die Verpflichtung zur gegenseitigen Rücksichtnahme – eingebaut und beherzigt wird, können Begegnungszonen an vielen Stellen erfolgreich umgesetzt werden.

Shared Space verbindet also nicht nur Verkehrsteilnehmer, sondern auch viele Ziele miteinander: Entschleunigung, effizienten, sich selbst organisierenden Verkehr, höhere Verkehrssicherheit, Abbau der Barrierewirkung von Straßen, Förderung von Radnutzung und Zu-Fuß-Gehen, Aufwertung des öffentlichen Raumes, Abbau des Schilderwaldes sowie von Markierungen, Barrieren und Ampeln…

Wie entsteht ein Shared Space?

Jeder Shared Sace ist anders. Er wird angepasst an den Ort, den Platz, die Straße, die Verkehrsbelastung oder die Funktionen des Raumes (Aufenthalt, Einkauf, Erreichbarkeit von Haltestellen und anderen Zielen). Immer müssen dabei zwei grundlegende Funktionen in Einklang gebracht werden: Aufenthalt und Verbindung (Verkehr).

Das Konzept des Shared Space ist noch recht jung, so dass systematische und langjährige Auswertungen der Wirkungen noch nicht vorliegen. Erste Auswertungen, z. B. in der Schweiz, belegen aber zurückgehende Unfallzahlen und in vielen Fällen eine hohe Zufriedenheit der Beteiligten. Blinde und stark sehbehinderte Menschen haben jedoch generell Schwierigkeiten sich in diesen Räumen zu bewegen und gut zurechtzufinden.

An 14 von insgesamt ca. 100 Orten mit Shared Space in den Niederlanden wurden Befragungen durchgeführt. Die insgesamt 4.900 befragten Nutzer bewerteten die von ihnen empfundene Verkehrssicherheit als gut und erleben die Aufenthaltsqualität im betroffenen Raum als deutlich verbessert.